Die  HISTORIE der  Dauerwelle


Der Wunsch nach gelockten Haaren ist so alt wie die Geschichte der Menschheit. Ausgrabungen haben bewiesen, dass schon 3100 vor Christi Haare auf Tonwickler gewickelt wurden.

Die Römer z.B. erfanden um 600 v. Chr. die erste Umformung nach dem Wärmeprinzip. Sie benutzten das sogenannte Calamistrum (einem Rohr, in das ein heisser Stab geschoben wurde). Die ersten Krepp- und Brenneisen folgten.



18. Jhd.

Buchtipp!Bereits im 18. Jahrhundert kannte man die Möglichkeit in sog. Postichhaar, also im Perückenhaar eine relativ haltbare Dauerkrause zu erzeugen. Dafür wurden die Haare von Perücken um sogenannte Kraushölzer gewickelt und in einer alkalischen Lauge aus Soda oder Borax mit Glyzerin gekocht.

Dabei kochte man die Perücken ca. 8 Stunden lang in alkalischen Boraxwasser. Allerdings konnte diese Methode aus naheliegenden Gründen nicht am lebenden Objekt angewandt werden.

1872

Marcel Grateau entwickelt die nach ihm benannte Marcel-Ondulation. Diese auch als Wasserwelle bekannte Form der Haarumformung war nur wenig haltbar, da nur die Wasserstoff- und Salzbrücken geöffnet werden.

Bereits bei hoher Luftfeuchtigkeit oder spätestens nach der ersten Haarwäsche waren die Locken wieder verschwunden.

 

1906

Karl Nessler*, der sich später, als er nach Paris zog, Karl Nestlé nannte, erfindet die erste Heißwelle. Dabei wurden die mit einer alkalischen Lösung getränkten Haare spiralförmig auf Metallstäbe aufgewickelt (Spiralwicklung). Dann wurden diese Stäbe mit heißen Metallzangen stark erhitzt.

Der Schwarzwälder Friseur stellte 1906 in London seine Erfindung der Heiß-Dauerwelle vor, mit der die bisherigen Versuche zur Erzeugung von Dauerwellen entscheidend verbessert wurden. Mit einer Dauerwellzange, einer Art Waffeleisen, erhitzte Nessler ein Gebilde aus Metallstäben bestehenden Wicklern.

Damit die Welle hielt, waren manchmal mehrere Versuche nötig. Als "Versuchskaninchen" diente anfangs seine Ehefrau, die durch die entstehende Hitze sogar Brandblasen davontrug. Die Methode hatte weitere Nachteile. Zum einen war sie sehr langwierig (ca. 5h) und zum anderen blieben die ersten 4 cm am Kopf ungewellt. Die Prozedur war mit einer großen Unfallgefahr behaftet. Neben den Verbrennungen kam es auch zu Verätzungen durch zu starke alkalische Flüssigkeiten.

Seine Erfindung wurde dann 1908 in London patentiert. Nesslers Friseurkollegen waren neidisch auf seinen Dauerwellenapparat, da sie den Verlust ihrer Stammkunden befürchteten. Mit Recht: Die modebewussten Frauen in London rannten ihm die Salontür ein, um sich die Wellen von ihm machen zu lassen. Ausserdem musste Nessler oft zu reichen Kundinnen nach Paris reisen, die von seiner neuen Erfindung gehört hatten.

1914 mußte Nessler England verlassen und wanderte in die USA aus, wo er mit seiner Erfindung ein großes Frisör-Unternehmen betrieb mit zeitweise mehreren hundert Angestellten. Seiner Erfindung haben vor allem amerikanische Frauen ein dankbares Denkmal gesetzt.

* Karl Nessler, Frisörmeister, Erfinder der Dauerwelle.

* 1872 in Todtnau, + am 22.1.1951 in Harrington Park, New Jersey, USA



1924





 



1927




Josef Mayer
löste das Problem des ungewellten Haaransatzes.

Er erfindet die sogenannte Flachwicklung. Immerhin wurde bei diesem Verfahren auch auf die heißen Zangen verzichtet. Die Erhitzung erfolgt hier durch elektrischen Strom. Die Unfallgefahr wurde zwar ein wenig reduziert, war aber immer noch vorhanden. Allerdings hörte man nach Einführung dieser Technik immer wieder von Unfällen durch elektrische Schläge.

Die ersten "funktionierenden" Dauerwellgeräte Marke "Wella Junior" werden in Deutschland produziert. Wella-Gründer Franz Ströher und seine Söhne hatten ein Patent für einen Dauerwell-Apparat erworben, der anstelle der Stab- oder Spiralwicklung die teilweise bis heute gültige Flachwellen- Methode von Josef Mayer benutzte. Der Eigentümer der heutigen Wella (Procter & Gamble) will heute keinen Bezug mehr zur Firmengeschichte haben, was die Schliessung des Wella-Museum in Darmstadt zeigt. Dort waren u. a. diese historischen DW-Geräte ausgestellt.



1940-48

Eine Neuerung stellte die sog. Kaltwelle dar, bei der niedrige Temperaturen benutzt wurden. Es gab dadurch weniger Unfälle durch Verbrennungen. Die verwendeten Chemikalien waren immer noch sehr aggressiv.

Die Behandlung mit dem Dauerwellapparat kostete bei einem Stundenlohn von 35 Pfennigen 105 Goldmark! Modebewusstsein war auch damals schon teuer. Für das viele Geld - etwa 2500 Euro - mussten die Frauen einige Strapazen erleiden: Die gesamte Prozedur dauerte rund fünf Stunden, und die dafür verwendeten Wickler wogen fast ein Kilo.

Weitere Nachteile der Heißwelle waren, dass durch die chemische Mischung die Haare und meist auch die Kopfhaut stark beansprucht wurden. Außerdem wirkte die Well-Frisur durch die entstandenen "Schillerlocken" gekünstelt: Der Haaransatz blieb nämlich ungewellt. Eine höhere Luftfeuchtigkeit reichte aus, und die Frisur war völlig im Eimer.

Erst 1940 gelang Everett McDonough mit der sogenannten "Kaltwelle" ein neuer Durchbruch: Endlich funktionierte die Krause mit Hilfe geeigneter Chemikalien bei Zimmertemperatur.


1952

Die Thermwelle, auch "Mildwelle" genannt", stellte eine Art Kompromiss zwischen der Heiß- und der Kaltwelle dar. Die Temperaturen waren moderat, die Chemikalien noch weniger schädlich.

1957

Die saure Dauerwelle wurde als haltbare und sehr haarschonende Methode eingeführt. Doch erwiesen sich die Wellmittel als allergen und hautunverträglich.

1962

Eine wirklich sowohl für Haut und Haar schonende Methode war die Enzymdauerwelle. Sie setzte sich allerdings nicht durch, da sie nur wenig haltbar war.

1971

Hier wurde die thermogesteuerte Dauerwelle erfunden

1981

Markteinführung der Zweiphasen-Dauerwelle



heute



Heutzutage wird in den Salons die alkalische und mild alkalische Dauerwelle verwendet. Relativ neu sind die so genannte Cysteindauerwellen (>>> Infos Dauerwelle ) und die HFK-Dauerwelle >>> mehr Infos hier

Siehe auch Extraseite: Alles über die Dauerwelle

 


100 Jahre Dauerwelle Jubiläum zu Ehren des Erfinders Karl-Ludwig Nessler

Der Todtnauer Karl-Ludwig Nessler (Foto rechts) hat mit der Erfindung der Dauerwelle vor 100 Jahren die Modewelt verändert. Was heute selbstverständlich erscheint, war vor 100 Jahren eine Sensation und eine Tortur zugleich. Mit einer abenteuerlichen Apparatur und geheimen Tinkturen hatte Karl-Ludwig Nessler es nach vielen Versuchen geschafft glattem Haar eine dauerhafte Wellenstruktur zu verleihen. Die Dauerwelle war erfunden (mehr dazu unten).

Die Stadt Todtnau, die Frisör-Fachwelt und auch HairWeb.de feiern aus diesem Anlass die bahnbrechende Erfindung Nesslers mit Specials und Events zu Ehren des Erfinders. Vom 28.-29.10.2006 gab es in Todtnau eine große Jubiläumsveranstaltung mit Festabend, Frisörwettbewerben und Fachtagungen. Die Gerätschaften und viel Interessantes aus den Kindertagen der Dauerwelle konnte in einem kleinen Nessler-Museum besichtigt werden.

Alle echt?Auch SternTV widmete dem Jubiläum eine Reportage - mit dabei waren Dauerwellfetischist Atze Schröder und der 80jährige Frisörmeister Konrad Brenner aus Reutlingen, der noch mit den ersten Geräten arbeitete... zum vollständigen Bericht >>>

Weitere Informationen: www.nessler-todtnau.de   | Fotogalerie










Buchtipp: "Von der Kunst, Locken auf Glatzen zu drehen"
Spätestens seit Erfindung des Frisiersalons gut 300 Jahre vor Christus gilt auch
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