Haarkunde  -  Haarwachstum





Haarwachstum

Die Lebensspanne eines Haares kann sehr unterschiedlich sein. Am kürzesten ist sie bei Männern, die zu vermehrtem Haarausfall neigen ...mehr

Den normalen Ablauf eines Haarzyklus bezeichnet man als Haarwechsel. Demgegenüber liegt ein krankhafter Befund vor, wenn die Rate ausfallender Haare erhöht ist (mehr als 100 Haare pro Tag). Dieser Vorgang wird Haarausfall (Effluvium) genannt. Resultiert hieraus eine sichtbare Kahlheit, so wird sie als Alopezie oder Alopezie areata (kreisrunder Haarausfall, siehe Foto r.) bezeichnet. Normaler Haarwechsel und krankhafter Haarausfall müssen begrifflich sorgfältig getrennt werden, ...mehr

Das Wachstum der Haare ist genetisch und hormonell bedingt. Das Kopfhaar wächst normalerweise viel schneller, als das Haar an anderen Stellen der Haut. Das liegt daran, dass die Haarzwiebeln am Kopf besonders aktiv sind. Die Entwicklung und das Wachstum der Haare ist genetisch und hormonell bedingt.

Das Haar wächst während der Wachstumsphase ungefähr 1 mm innerhalb von drei Tagen (daher der Name "Dreitagebart"). Das sind ungefähr 15 Zentimeter im Jahr. Männer, die sich niemals die Haare schneiden lassen, erreichen eine Haarlänge von 40 bis 50 Zentimetern. Bei Frauen sind es sogar 70 bis 80 Zentimeter.

Haarlängen über einen Meter sind selten, weil die Lebensspanne eines Haares dafür sorgt, dass sie vorher ausfallen (Ausnahmen: siehe haarige Rekorde, Die längsten Haare der Welt).

Das neue Haar fängt dann wieder bei Null an. Nach einer Ruhephase produziert die Wurzel ein neues Haar, bis zu 12 mal im Verlauf eines Lebens.

Warum werden Beinhaare nicht so lang wie Kopfhaare?

Die Antwort weiß Michael Kessel vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen: "In den Hautzellen, die Kopfhaare produzieren, sind andere Programme aktiviert als in den Mutterzellen der Beinhaare", erläutert der Entwicklungsbiologe. Denn der Körper besteht....weiterlesen auf wissenschaft.de



Anzahl der Haare

Blonde haben die meisten Haare auf dem Kopf. Interessant ist auch, dass die Menschen unterschiedlich viele Haare auf dem Kopf haben. Dabei kann man durchschnittliche Zahlen für unterschiedliche Haarfarben feststellen.

Blonde = ca.140.000   - Brünette = ca.100.000   -  Rothaarige = ca.85.000



Die drei Phasen des Haarwachtumszyklus

Das Haarwachstum erfolgt nicht kontinuierlich, sondern in jedem Follikel wechseln sich Phasen der Haarbildung, der Ruhe und der Rückbildung in rhythmischer Folge ab. Diese Rhythmik wird als Haarzyklus bezeichnet. Jeder Follikel folgt einem ihm eigenen Haarzyklus.

Dieser ist gegenüber den Haarzyklen der benachbarten Follikel zeitlich versetzt: Die Haarproduktion erfolgt somit asynchron. Dieses Verhalten ermöglicht einen gleichmäßigen Haarbestand des Menschen, es kommt nicht zu einer "Mauser", wie dies im Tierreich zu beobachten ist.

1. Die Wachstumsphase oder Anagenphase

Die Zellen der Haarmatrix eines wachsenden Haares zeigen eine hohe Stoffwechselleistung und Zellteilungsaktivität. Die Teilungsgeschwindigkeit der Haarmatrixzellen ist etwa fünfmal so hoch wie diejenige normaler Hautzellen. Der stetige Zellnachschub ist für die ständige Neubildung der Haarsubstanz, dem Keratin erforderlich. Die durchschnittliche Wachstumsgeschwindigkeit eines Anagenhaares beträgt 0,35 mm/Tag oder ca. 1 cm/Monat.

Unglaublich aber wahr: Bei ca. 80.000 Kopfhaaren werden somit täglich 25 - 30 Meter Haar und pro Monat etwa 800 Meter Haar neu gebildet. Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll die intensive Stoffwechselaktivität der Haarmatrixzellen.

Die Dauer der Anagenphase ist erblich vorgegeben und beträgt 2 - 6 Jahre, ggf. 8 Jahre und länger. Bei einer Wachstumsgeschwindigkeit von ca. 1 cm/Monat bzw. ca. 12 cm/Jahr kann demnach der einzelne Haarschaft eine Länge von 25 cm (2 Jahre) bis 75 cm (6 Jahre) erreichen.

Die für einen Menschen maximal erreichbare Haarlänge hängt also in erster Linie von seiner erblich vorgegebenen Wachstumsphasendauer ab. Auch bei sorgfältigster Pflege können sie somit niemals "endlos" lang werden...mehr

Wie alle sich schnell teilenden Gewebe (z.B. Blutbildung im Knochenmark) reagieren die Matrixzellen sehr empfindlich auf Stoffwechselstörungen aller Art. Bei einer Störung der Haarmatrix kommt es zur Hemmung des Eiweißaufbaus und zum Absinken der Zellteilungsgeschwindigkeit.

Das Kaliber des Haarschaftes und die Haarwachstumsgeschwindigkeit nehmen dabei ab. Erholt sich die Matrix nach einer kurzfristigen Störung, so zeigt der Haarschaft lediglich eine Schnürfurche, dauert die Störung länger an, so nimmt das Haarkaliber stetig ab bei gleichzeitig qualitativ minderwertiger neugebildeter Haarsubstanz. Schließlich erfolgt ein Abbrechen des Haarschaftes.

Wird die Haarmatrix in der Anagenphase einer geringgradigen Störung ausgesetzt, so tritt das Haar vorzeitig aus der Wachstums- in die Übergangsphase über, der Haarzyklus verläuft somit abgekürzt.

2. Die Übergangsphase oder Katagenphase

Nach Ablauf der Wachstumsphase kommt es innerhalb eines Zeitraumes von 1 - 2 Wochen zu Umbauvorgängen in der Haarwurzel. Die Haarmatrix bildet sich zurück, die äußere Wurzelscheide schließt sich im unteren Abschnitt und bildet einen Haarkanal. Dieser umschließt die beginnende kolbenförmige Auftreibung des unteren Haarschaftes. Das Haar wird in Richtung Kopfhautoberfläche verschoben.

3. Die Ruhephase oder Telogenphase

Am unteren Pol des Haarschaftes bildet sich ein Kolben aus vollständig verhornten Zellen. Dieses sog. Kolbenhaar steigt im Follikelkanal bis unterhalb der Talgdrüsenmündung hoch, wo es durch eine Kapsel aus teilweise verhornten Zellen der äußeren Wurzelscheide verankert wird.

In einem Zeitraum von 2 - 4 Monaten wird diese zunächst feste Kapsel zunehmend verdünnt, so daß die Verhaftung des Haarkolbens im Follikelkanal immer lockerer wird. Schließlich wird das Telogenhaar durch leichte mechanische Einflüsse wie Kämmen, Bürsten, Haarwäsche usw. aus der Kopfhaut herausgelöst oder durch das nachwachsende Haar des folgenden Zyklus aus dem Follikelkanal herausgeschoben. Das neue Haar wächst aus derselben Haarwurzel nach. In jeder Haarwurzel kann 10 bis 12 mal ein Haar nachwachsen.

Während der Ruhephase ist der Haarschaft bereits vollständig verhornt, ein Stoffwechsel findet nicht mehr statt, daher die Bezeichnung "Ruhephase". Während dieser Zeit kann das Haar durch äußere Einflüsse wie z.B. Ernährung, Zufuhr von Eiweiß, Vitaminen, Spurenelementen oder durch Aufnahme von Arzneimitteln nicht mehr beeinflusst werden.

Die Anzahl der normalerweise ausfallenden Kolbenhaare beträgt ca. 60 - 80, maximal 100 Haare pro Tag. Durch eine Haarwäsche kann diese Zahl übertroffen werden, in den Tagen nach einer Haarwäsche liegt diese Zahl deutlich niedriger.

Die unterschiedlich lange Dauer der Haarphasen spiegelt sich wider in der unterschiedlichen prozentualen Verteilung dieser Haarformen.

Phasenfolge Nomenklatur Phasenzustand Phasendauer Prozentualverteilung
1. Phase Anagen Wachstumsphase 2-6 Jahre bis 90%
2. Phase Katagen Übergangsphase 2 Wochen bis 3 %
3. Phase Telogen Ruhephase 2-4 Monate bis 18%


Von den ca. 80.000 - 100.000 Kopfhaaren befinden sich 85 - 90% in der Wachstumsphase, 1 - 3% in der Übergangs- und im Mittel 12 - 15% in der Ruhephase. Werden im Rahmen der mikroskopischen Haaruntersuchung (Trichogramm) Haare ausgezogen, kann man an der Struktur der Wurzelanteile der Haare erkennen, in welcher Phase des Haarzyklus das betreffende Haar sich gerade befindet.

Das Trichogramm lässt somit wertvolle Rückschlüsse auf den Ablauf des Haarzyklus zu. Ein in normaler Geschwindigkeit ablaufender Haarzyklus kann von einem krankhaft beschleunigten Haarzyklus unterschieden werden.


 


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