Wieviel   verdienen    Friseure?    Tarif - LÖhne  im  Friseurhandwerk




Infos + FAQ zum abgelehnten Mindestlohn für Friseure >>>

 

 

8,50 ab 2015. Endlich fairer Lohn für Friseure? Nein.

"Dieser Tarifabschluss läutet das Ende einer Billig-Ära ein! " (BILD)
 "Schluss mit billig!" (Süddeutsche)
"Gerechter Lohn für guten Schnitt"  (Augsburger Allgemeine)

Diese verwirrenden Schlagzeilen gab es, als bekannt wurde, dass sich Friseurverbände und Ver.di auf "Lohnuntergrenzen" geeinigt haben. Doch viele haben sich zu früh gefreut, denn abgesehen davon, dass 8,50 EUR pro Stunde nur ein Anfang sein kann, wird sich vorerst gar nichts ändern, weil:

  • ...die Lohnuntergrenze nicht allgemeingültig ist. Das bedeutet, sie gilt nur für Mitarbeiter von Innungsbetrieben, die gleichzeitig auch Gewerkschaftsmitglied sind. Um den Tariflohn allgemeingültig zu machen muss erst ein Antrag beim Bundesarbeitsministerium gestellt und genehmigt werden. Wann dieser gestellt wird ist nicht bekannt (Quelle)
  • ...es erst im August 2015 bundeweit zu einem Tariflohn von 8,50 EUR kommen soll

 

Online-Kommentare

"...einfach erbärmlich oder besser ein Armutszeugnis im wahrsten Sinne des Wortes. Zumindest für die Arbeitnehmer in dieser Branche. Würde ja gern mal wissen wer da wieder wem die Hand geschüttelt hat."

Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Rainer Röhr: "Ich bewerte das Ergebnis - so schmerzvoll es ist - als gut."     Anmerkung der Red.: Mit "schmerzvoll" meint er nicht die Höhe des Abschlusses sondern die wirtschaftliche Probleme, die einige Salons bekommen dürften. (Quelle)

"...Ich verstehe die Gewerkschaften nicht, wie sie das mitmachen können. Der Mindestlohn für Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung muß bei mindestens 10,50 Euro liegen!"

"8,50€ ist doch bitte ein Witz!!! Das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Wie soll jemand, der z.B. in München oder Hamburg als Friseur arbeit- z.B. bei einen dieser vielen Billigfriseure- leben bzw. überleben. Und warum 2015????? Verdi bestreikt doch ständig jede Branche- aber bei Friseuren wartet man bis 2015- Warum? Sind Friseure niederschwelliger als Lufthansa. Es ist eine Schande."

 

Geheim:

So liefen die zähen und äußerst schwierigen Tarifverhandlungen für die 8,50 tatsächlich ab

Vertreter Friseurverband: "Wie wäre es mit 8,50?"
Ver.di-Vertreter: "Ja, ok."
Vertreter Friseurverband: "Aber nicht vor 2015, oder?"
Ver.di-Vertreter: "Ja, ok."

Ende der Verhandlung. Ab zur Pressekonferenz und die Medien mit der Jubelmeldung füttern. Thema Friseurlohn erledigt.





Ein Mindestlohn von 8,50€ wie er vor Jahren gefordert wurde, passt nicht mehr ins Jahr 2013. Alles unter 10 € ist im Jahr 2013 einfach nur lächerlich und hilft keinem der 40 Stunden pro Woche arbeitet weiter! Arbeit muss sich (auch für Friseure) lohnen und am Ende des Monats muss deutlich mehr wie der Hartz IV-Satz zum Leben übrig bleiben! ....mehr auf der FB-Aktionseite Mindestlohn für Friseure
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Als Niedriglohn gilt ein Lohn, der kleiner ist als zwei Drittel des mittleren Einkommens aller Beschäftigten = 10, 36 Euro brutto


Friseure auf Platz 2:

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Vier von fünf bekommen Niedriglohn


Ca. sechs Millionen Menschen beziehen in Deutschland einen Niedriglohn von weniger als 10,36 Euro brutto pro Stunde. Die Zahl der Niedriglöhner stieg jetzt auf 20,6 Prozent (2006 waren es noch 18,7 Prozent). Ganz besonders hoch ist der Niedriglohn-Anteil bei Taxifahrern (87 Prozent), etwas darunter liegen Friseure und Reinigungskräfte. Das heißt: Vier von fünf Friseuren beziehen einen Niedriglohn und könn(t)en ihren karge Lohn aufstocken (u. a. Hartz4-Leistungen, Wohngeld etc).

Zum weiteren Vergleich: In Gastronomie, Kinos und Wäschereien liegt die Quote bei über 70 Prozent, im Einzelhandel, Callcentern, Leiharbeitern immer noch bei gut 60 Prozent.

Niedriglohn per Tarif

Alle in Deutschland geltenden Tariflöhne für Friseurgesellen liegen unter 10,36 EURO. In Sachsen sind es nur 3, 50 EURO pro Stunde. Sogar in Bayern und Baden-Württemberg, wo die höchsten Tarifabschlüsse im Friseurhandwerk gemacht wurden, liegt der Tariflohn für einen Gesellen mit 7,62 EURO weit unterhalb der Niedriglohnmarke. Selbst der Tariflohn für Friseure in leitender Funktion (Bayern) liegt mit 11,81 Euro nur etwas mehr als einen Euro über dem Niedriglohnsatz. Kurios: Regelmässig verkaufen Innungen diese Art von Abschlüssen als "Tariferfolg".

Quelle der Zahlen: Statistisches Bundesamt in Berlin, LIV Bayern

Innungen + Merkel : Die Totengräber des Friseurhandwerks

Arbeitgeberverbände wie z.B. Friseurinnungen, Friseur-Verbände und der Zentralverband haben das Lohnproblem jahrzehntelang ignoriert. Entweder wurden einfach keine neuen Tarifverträge mehr abgeschlossen (siehe Berlin, seit Jahren ohne gültigen TV, da abgelaufen) oder es wurden mit neuen, bewusst niedrig gehaltenen Tarifabschlüssen den Billiglöhnen und damit auch den Billigketten (siehe unten) der Weg bereitet.

Oben genannte Verbände lehnen bis heute vehement und ohne stichhaltige Argumente den gesetzlichen Mindestlohn ab und haben qualifizierte Friseure lohntechnisch mit ungelernten Putzhilfen und Aushilfskellnern flächendeckend auf eine Tarif-Stufe gesetzt (siehe oben). Kein anderer Handwerksberuf hat so niedrige Tariflöhne und in Deutschland gibt es europaweit (außer Südeuropa) die niedrigsten Löhne für Friseure überhaupt.

Deutschlands Friseurinnungen müssen es sich gefallen lassen, die "Totengräber des Friseurhandwerks" genannt zu werden.

Ein weiterer "Totengräber" ist übrigens Walz-Kundin und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch sie lehnt seit vielen Jahren höhere Löhne für unterbezahlte Vollzeit-Friseure ab, obwohl diese mit Zuschüssen aus Steuergeldern unterstützt werden müssen

Fehlender Mindestlohn - die fatalen Folgen

Die erste Folge: Aufgund idealer Niedrigtarif-Bedingungen entdeckten Billigketten bereits vor ca. 8 Jahren die systematische Ausbeutung von Friseuren. Auf ihrem Rücken konnten extrem niedrige Preise mit maximalen Gewinnen kombiniert werden. Heute ist an jeder Ecke eine dieser umstrittenen Ketten zu finden.

Die zweite Folge: Seit ca. 4 Jahren flüchten schlechtentlohnte Friseure massenhaft in die Selbständigkeit und gründen Mikro- oder Einmannbetriebe. Die meisten von ihnen bleiben zumindest auf dem Papier unter der Grenze von 17.500 Euro Umsatz pro Jahr. So müssen sie für ihre Dienstleitungen keine Mehrwertsteuer zahlen und können damit die Preise klassischer, großer Salons (mit Angestellten) unterbieten. Diese Unternnehmen können einen derart unfairen Wettbewerb nicht gewinnen und müssen Mitarbeiter entlassen oder gar schließen.

Die dritte Folge: Niedrige Löhne und Tarife sind der ideale Nährboden für Schwarzarbeit. Nahezu jeder Geringverdiener ist gezwungen, sich das fehlende Geld durch Schwarzarbeit hinzuzuverdienen, um seinen Lebenunterhalt zu sichern. Mit jedem schwarz bedientem Kunden sinkt der Umsatz der anderen Salons, die damit ihre Mitarbeiter bezahlen müssen. Während größere Salons regelmässig durch Steuerprüfungen kontrolliert werden, bleiben Kleinstbetriebe, die oft tricksen, um unter der 17.500 Euro-Grenze zu bleiben, weitgehend unkontrolliert. Lichtblick: Ab 1. Januar 2017 tritt ein neues Gesetz für die Einzelaufzeichnungspflicht in Kraft...mehr Infos

Faire Saloninhaber zahlen faire Löhne

Lichtblick in der prekären Lage des Friseurhandwerks sind Friseurunternehmer, die die teilweise extrem niedrigen Tarif-Hungerlöhne gar nicht erst als Maßstab nehmen. Voraussetzung dafür ist, dass der Saloninhaber entsprechende Preise für qualitativ hochwertige Dienstleistungen nimmt bzw. nehmen kann, die überhaupt erst faire Löhne ermöglichen. Hier haben Friseure mit entsprechenden Qualifikationen ein gutes Auskommen ohne den Gang zum Amt. Eine Liste von "fairen" Salons findet man auf der Seite "Der faire Salon" oder im HairWeb-Salonguide



"Friseure verdienen nicht wenig, weil sie wenig "leistungsfähig" wären, sondern weil man ihnen nicht mehr zubilligt und weil sie nicht über die Macht verfügen, ein leistungsgerechtes Einkommen für sich durchzusetzen. notatio.blog



Video: Der peinliche Auftritt des Billigketten-Chefs bei STERN-TV



"Gutfrisierte"Merkel gegen Mindestlohn für Friseure

Das Resultat: Vollzeit-Friseure erhalten Hartz4 oder flüchten in "Schein-Selbständigkeit"

Laut Statistischem Bundesamt verdienen Friseure durchschnittlich 1315 Euro brutto im Monat (Gesamtschnitt aller Berufe 3093 Euro, Tariflöhne siehe unten). Damit liegen sie am unteren Ende aller Berufe. Jeder Postbote, Wäscher oder Glasreiniger verdient erheblich mehr.

Der Grund für die Hungerlöhne: Trotz jahrelanger Forderungen gibt es immer noch keinen Mindestlohn für die Friseurbranche. Deshalb werden die Löhne geringverdienender Friseure (z.B. Friseure in Sachsen nur 600 Euro monatlich) mit Hartz4-Zuschüssen und Wohngeld aus Steuergeldern aufgestockt (siehe Grafik). Man kann z. B. bei Billigketten durchaus von einem "Haarschnitt auf Staatskosten" sprechen.


Das Resultat: Schlechtverdienende Friseure bleiben entweder gleich ganz zuhause oder flüchten in die (Schein-) Selbständigkeit. Dort zahlen sie dann als mobiler Friseur noch nicht einmal die Mehrwertsteuer - bis 17.500 Euro Jahresumsatz sind sie befreit. Über diese Grenze kommen jedoch nur die wenigsten. Sie denken: "Lieber selbständig arm als angestellt arm". Auch Handwerkskammern und Friseurinnungen tun nichts - im Gegenteil: Handwerkskammern ziehen Existenzgründern ohne Meisterbrief für Ausnahmegenehmigungen noch ein paar Tausender aus den meist leeren Taschen und Friseurinnungen kümmern sich fast auschließlich um Saloninhaber.

Vielleicht sollte der Berliner Starfriseur Udo Walz mal seine Kundin Angela Merkel auf die haarsträubenden Mißstände ansprechen...






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Was tun, wenn man zuwenig verdient?

TariflohnDer/die Arbeitnehmer/in muss beim Arbeitgeber den zu wenig gezahlten Lohn schriftlich geltend machen. Der Arbeitgeber kann durch eine Klage beim Arbeitsgericht gezwungen werden, die Differenz auszuzahlen. Die Kosten für die Anwalts- und Gerichtskosten übernimmt in der Regel die Prozesskostenhilfe (z.B. aufgrund des niedrigen Lohns).

 

Anwalts Liebling

Anwalt.de: Rechtsberatung aus allen FachgebietenFalls man einen Anwalt benötigt, sollte es unbedingt ein Fachanwalt sein, der auf Arbeitsrecht spezialisiert ist. Vorher sollte man sich bei dem Rechtsanwalt vergewissern, ob seine Kosten die Gebühren der Gebührenordnung für Rechsanwälte (BRAGO) nicht übersteigen.

VORSICHT: Manche Anwälte verlangen für ihre "Spezialisierung" als Fachanwalt für Arbeitsrecht saftige Aufschläge und informieren ihre Klienten aus gutem Grunde oft nur unzureichend darüber.




Weihnachtsgeld - ja oder nein?

Kürzung oder Streichung: Nicht zulässig wenn es bisher ohne Vorbehalt mindestens drei Mal bezahlt worden ist (betrieblicher Übung). Das gilt auch, wenn der Arbeitgeber immer auf die Freiwilligkeit der Zahlung hingewiesen hat. Quelle: DGB
Unterschiedlich hohes Weihnachtsgeld: Nur möglich, wenn sachliche Gründe dafür voliegen, z. B. ungekündigtes Arbeitsverhältnis, Zahl der Kinder, Höhe der Fehlzeiten, Dauer der Betriebszugehörigkeit und Familienstand Quelle: DGB







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Was verdient Bundeskanzlerin Angela Merkel im Monat? Laut einer Recherche des SPIEGEL ca. 19.800 EURO.

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