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Special: Marie Antoinettes Hofcoiffeur Leonard

 

Barock - Rokoko (1600 - 1770)

Im Mittelalter wurden die Haare sonst auch viel offen getragen oder mit einer Haube bedeckt, doch im frühen Barock kam die Perücke wieder zur Mode. Alle, die etwas auf sich hielten, trugen nicht nur bei festlichen Anlässen lange Locken zu beiden Seiten des Kopfes.

Männer trugen eine Allongeperücke und Frauen eine Fontange. In der Zeit der Aufklärung (18. Jahrhundert) erlebte die Perücke dann in Europa und seinen Kolonien ihre Blütezeit.  

Rechts: Rokoko-Perücke (amazon)

 


Weil man am Anfang der Barockzeit "spanische Trachten" trug und die einen sehr hohen Kragen hatte, bevorzugten Männer kurze Haare. Die Frauen hielten ihre Haare zwar lang, aber kämmten sie entweder nach hinten oder nach oben, wo sie mit einem Drahtgestell befestigt wurden.

Nach 1650 verschwanden solche Frisuren. Bei den Damen dominierte vor allem ein Quer - oder ein Rundscheitel. Locken - oder Ponyfransen bedeckten dazumal die Stirn. Auch die Männer ließen nach 1650 ihre Haare wachsen. Lockenköpfe und Spitzbärte waren in Mode. So ließ sich der französische König Ludwig der 13. (frühzeitig kahl geworden) eine Lockenperücke machen.

Frauen verbanden ihre aus der Stirn und über die Ohren straff nach hinten gezogenen Haare mit dem Nackenhaar zu einem kräftigen Chignon (Haarknäuel/Dutt - heute "Banane"). An mit Netzen gestützten Flechten werden Federschmuck und Perlenketten befestigt.

Um 1630 folgen „Garcettes“, die durch stark gekräuseltes Seitenhaar und einen kurzen, glatten Pony ein breites Gesicht entstehen lassen. Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts ist die Zeit der Korkenzieher- bzw. Ringellocken. Dank der neu entwickelten Papillotier-Technik warten auch die Männer mit gekräuselten Haaren auf, die bis über die Ohren reichen und eine mit Schmuck verzierte einzelne Haarsträhne lässig über eine Schulter fallen lassen.

 

Ausschweifende Feste lösen zu Beginn des 18. Jhs. die Zwänge der bislang herrschenden Etikette ab. Das allerorts spürbare Streben nach Einfachheit mündet bei Hofe ins Nachspielen ländlicher Idylle, mit bescheidener Lebensart und entsprechend schlichten Frisuren. Eng am Kopf anliegend, werden die Haare aus der Stirn gekämmt und locker zum Chignon hochgebunden.

Mitte des 18. Jahrhunderts setzen sich dank Brennstab, Puder und Pomade Lockenfrisuren durch. Bei den Männern des Bürgertums endet dieser Trend in aufwendigen Perücken mit Zöpfen, Beuteln und Lockenrollen.

 

Es setzte eine wahre "Perücken-Manie" ein - sehr zur Freude der Friseurszunft.

Anfang des 18. Jahrhunderts gab es z.B. in England noch sehr wenig Friseure . 1795 waren es um die 50.000 Barbiere, die allein auf der Insel tätig waren.

Bevorzugt wurden in der adeligen Oberschicht jedoch Coiffeure aus Frankreich, die einen ausgezeichneten Ruf besaßen (Abbildung links).

 



Die opulenten Perücken verbrauchten bei der Pflege und Konservierung enorme Mengen an Haarpuder. Es wurde in England um 1770 sogar eine "Haarpuder-Steuer" eingeführt, die zur Folge hatte, dass die Frisuren-Türme etwas kleiner wurden.

Auch Komponist Wolfgang Amadeus Mozart (Foto links) aus Österreich war ein begeisterter Zopf- und Perückenträger dieser Zeit ..mehr

Foto rechts: Herzog Ernst August von Hannover

Die Engländer machten sich auch gerne mit Karikaturen (Abbildung oben rechts) über die Frisuren der Franzosen lustig und nannten sie wegen der enormen Haarlänge der Perücken "Macaronis".

Selbst die französische Armee führt kleine Perücken ein, deren Haare im Nacken zusammengebunden und in einen schwarzen Taftbeutel gesteckt werden. Die zweite Hälfte des 18. Jhs. dominieren Hochfrisuren, die mittels elastischer Unterkissen aus Wolle und Draht kreiert werden.

Eine unangenehme Begleiterscheinung der damaligen Perückenmode war Parasitenbefall z.B. durch Flöhe. Manche hängten sich kunstvoll gestaltete Flohfallen um oder hatten spezielle Stäbchen, um sich unter der Perücke zu kratzen, wenn die Flöhe dort mal wieder zubissen.

Spätbarock - Rokoko

Rokoko, auch Spätbarock genannt, ist eine Weiterentwicklung der kunstgeschichtlichen Epoche des Barock in den Jahren 1735 bis 1770/1790. Umstritten ist übrigens, ob das Rokoko als eigene Kunstform gelten darf, da es aus dem Barock entstand. Bekannt sind hier vor allem die als "Rokoko-Frisuren" bekannten, aufwändig toupierten Turmfrisuren (siehe Foto links, Keira Knightley in "Die Herzogin") .

 

 

Marie Antoinette´s Hofcoiffeur

Als "Ikone" des Rokoko gilt die damalige Königin von Frankreich, Marie Antoinette.

Léonard Autié (1746 geboren) kam 1769 nach Paris. Mit verrückten, genialen Frisuren, geschmückt von Schlachtschiffen, Vogelkäfigen und Gemüsearrangements, gewinnt der Coiffeur nicht nur die Gunst der Hofdamen, sondern verzückt auch Königin Marie Antoinette.

Schnell steigt er zum Antoinettes Hofcoiffeur auf und verkehrt in den innersten Kreisen. Mit seinem Blick durchs Schlüsselloch offenbart er intime Einblicke in eine Epoche, die zwischen politischen Ränkespielen und höfischen Intrigen dem Sittenverfall und der Maßlosigkeit frönt und mit allem Pomp und Gloria dem Untergang geweiht ist. 

Léonard schuf die atemberaubenden Haaraufbauten auf ihrem Haupt und ging damit in die Geschichte ein. Als enger Vertrauter Marie Antoinettes und treuer Anhänger der Bourbonen ging er in den Wirren der Französischen Revolution ins Exil. 1814 kehrte er nach Paris zurück, wo er 1819 starb.

Carolin Fischer schrieb ein Buch über das Leben des berühmten Hofcoiffers - Titel: Léonard, der Coiffeur der Königin: Galantes, Frivoles und Extravagantes vom Hofe der Marie Antoinette (Amazon)

Im Kinofilm " "Marie Antoinette" spielte sie die deutschstämmige US-Schauspielerin Kirsten Dunst ("Spiderman").






Die Schwester der Königin" (The Other Boleyn Girl) - ein Historien-Drama, das im 16. Jahrhundert spielt. Die beiden Schwestern Anne (Natalie Portman) und Mary (Scarlett Johannson ) Boleyn werden darin im Kampf um die Liebe des Königs von England zu Rivalinnen.





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