Geschichte  des  Friseurhandwerks


Bader & Barbiere

Der Friseurberuf im Laufe der Zeit

Früher waren Friseure Figaro, Bader, Perückenmacher, Barbier und Zahnarzt (?!) zugleich. Seit dem 14. Jahrhundert bildeten die Bader, auch so genannt, weil sie meist eine Badestube betrieben, eine Zunft. Sie waren die ersten "Chirurgen", "Chirurgie" heißt ja in wörtlicher Übersetzung "Handwerk".

Buchtipp: Der Schönheit verbunden. Bader, Barbiere und Friseure


"Unehrlicher" Beruf

Bis zum Jahr 1548 (siehe unten) galt der Beruf des Baders als "unehrlich". Zusammen mit Abdeckern, Leinwebern, Scharfrichters, Müllers, Schäfers, Zöllnern, Nachtwächtern, und Totengräbern waren auch die Bader von allen Zünften und Ämtern ausgeschlossen. Gaststätten durften sie nur besuchen wenn keiner der Gäste etwas dagegen hatte. Sie hatten Schwierigkeiten bei der Wahl einer Gattin, gesonderte Plätze in der Kirche und fanden nach dem Tod keine Grabstelle. 1548 erklärte der Augsburger Reichstagsbeschluss den Beruf der Barbiere als "ehrenhaft".

Oben: Blechschild "Zunftmotiv" im Stile einer alten Buchillustration "Wer zum Barbier geht, bleibt nicht ungeschoren, verläßt denselben Ort wie neugeboren. Man kämmt vergeblich, wo kein Haar - doch Glück und Haar wächst alle Jahr."

Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein war der Bader zugleich Barbier, Wundarzt, Hühneraugenschneider oder Masseur und betrieb die sogenannte "kleine Chirurgie". Außer dem Zahnziehen, dem Schröpfen und Klystieren behandelte er Stich- und Schussverletzungen, Brüche, Verrenkungen, Hautleiden und Geschwüre.

Historien-Roman:
		  Der Bader von MainzHatte der Bader früher seinem Patienten die Zähne gezogen, dann steckte er beim nächsten Besuch seinem Friseurkunden einen Esslöffel in den zahnlosen Mund, damit er ihn über die so nach außen gedrückte, gewölbte Wange besser rasieren konnte.

Daher kommt übrigens der umgangssprachliche Ausdruck "über den Löffel balbieren (barbieren)". Diese Redensart bedeutet, jemanden zu "betrügen", oder "rücksichtslos zu behandeln".

Im Laufe der Geschichte entstanden aus dem Bader und Barbier neue, weiterentwickelte Berufe; aus den Badern entwickelten sich Heilgehilfen, aus den Barbieren wurden Perückenmacher. Durch die Fortschritte in der Medizin blieben die chirurgischen und dentistischen Eingriffe den "richtigen" Ärzten" vorbehalten. Und das ist wohl auch gut so - die heutigen Friseure können sich daher ganz und gar auf die Haare ihrer Kunden konzentrieren...

Bis weit ins 20. Jahrhundert konnte man sich beim Friseur (oder Barbier) auch rasieren lassen. In vielen Salons starb dieser Service fast komplett aus. Schade, denn wer einmal die Vorzüge einer professionellen Nassrasur kennengelernt hat, wird wohl immer wieder davon schwärmen.

Doch heutzutage bieten immer mehr Salons in oft abgetrennten Herrensalons Friseurdienstleistungen für Männer an, darunter die Bartrasur. Diese Salons werden "Barber-Shop" genannt.

Gute Adressen für die professionelle Nassrasur bzw. das Bartstyling findet man(n) im HairWeb-Barber-Shop-Guide



6000 v. Chr. 

Funde von Steinschaber in Ägypten, die als Rasiermesser benutzt wurden

 

3000 v. Chr. 
Erste "professionelle Friseurhandwerker" in Ägypten
2700 v. Chr. 

Anwendung der "kalten Ondulation bei der Perückenherstellung"

 

2420 v. Chr.   

Schech, Mutter des ägyptischen Königs Teti, hinterlässt eine umfangreiche medizinische und kosmetische Rezeptsammlung (u.a. Rezepturen von Haarfärbe-, Haarwuchs- und Haarentfernungsmitteln).

 

1600  v. Chr. 

Georg Ebers, deutscher Ägyptologe, findet im XIX. Jahrhundert Papyros (Ebers Papyros) mit kosmetischer Rezeptsammlung

 

1400 v. Chr. 
Verwendung von Henna zur Färbung der Haare in Ägypten und Mesopotamien
1800 v. Chr. 
erste überlieferte berufsständische Organisation der "Barbiere" in Mesopotamien - etwa zur gleichen Zeit: Eine babylonische Urkunde zeugt vom "Klatsch" in Friseurläden
1550 v. Chr. 
kommen Rasiermesser mit beweglichem Griff auf, wobei man den Griff vermutlich auch als Lockenwickler benutzte
1400 v. Chr. 
Pharaonin Hatschepsut trägt einen künstlichen Bart als Zeichen ihrer Herrscherwürde (mehr über ägyptische Frisuren)
300 v. Chr. 
Verwendung der Calamistra / tönernes oder metallenes) Lockenbrenneisen in Griechenland und Rom
700-1000 v. Chr.   

Tätigkeit von Rasoren und Scherern in Klöstern

 

490 v. Chr. 
Im alten Perikles - Gründung von Friseurschulen

 

300 v. Chr. 

Licinius, Friseur in Rom, unterhielt "Prominenten- Friseurladen"

 

1000 

Erfindung des "Chrüll-isen" (Krülleisen = Lockenbrennstab) u.a. von Minnesängern benutzt.

 

1150

Älteste urkundlich nach- gewiesene öffentliche Badestube in Fulda - es kommt zur "Spaltung" der Bader und Barbiere, Entstehung eigener Zünfte

 

11. - 12. Jahrhundert 
Herausbildung des Handwerks der Bader und Barbiere in Deutschland

13. Jahrhundert
Entstehung von Zünften der Bader und Barbiere - etwa zur gleichen Zeit erste genauere Nachrichten über die medizinischen Tätigkeiten von Badern und Barbieren

14.Jahrhundert

Seit dem 14. Jahrhundert bildeten die Bader, auch so genannt, weil sie meist eine Badestube betrieben, eine Zunft.

 

1509 
Kurfürst Joachim bestimmt den Berliner Barbier Heinrich Eyben zur Körperpflege des Hofstaates

1526
Gewerksstatut für Bader und Wundärzte in Berlin

1548 
Augsburger Reichstagsbeschluss über die "Ehrlichkeit" der Bader und Barbiere. Der Friseurberuf für "ehrenhaft" erklärt.
 

Ab 1600

Es werden Perücken für Herren zur Mode und es setzt sich der Begriff "Mode" auch für Frisuren durch (mehr in der Geschichte der Frisuren & Haare)

 

1656 
Gründung der ersten Perückenmacherzunft in Paris

1669 
Der Kurfürst von Brandenburg schlägt die Aufhebung der Zünfte vor


1677
Badern und Barbieren in Berlin wird durch ein Privileg erlaubt, chirurgische Hilfeleistungen zu gewähren

 

1680 
Der Franzose Ervais erfindet das Tressieren, damit wurden weniger Haare für die Herstellung von Haarteilen benötigt

1698-1717 

Perückensteuer in Preußen



Ab 1700

1714 
Anzahl der Badestuben in Berlin wurde auf 20 festgelegt


1716 
Friedrich Wilhelm I.
ordnet per Edikt Prüfungen für "Quacksalber" und "Marktschreier" an - im selben Jahr wird von Hugenotten die erste Perückenmacherzunft in Berlin gegründet

 

1769 
erfindet der englische Barbier Richard Arkwright die erste für Massenproduktion geeignete Spinnmaschine "Jenny"

1779 
Friedrich II. vereinigt per Edikt Bader, Barbiere und Wundärzte zu einem Gewerk

1791 

Gewerbefreiheit in Frankreich

1795
Anzahl der Barbiere in England steigt auf 50.000

 

Ab 1800 

 

1810/11 

Aufhebung des Zunftzwanges durch die Gesetze vom 2.11.1810 und 7.9.1811, Einführung des Gewerbescheines und der Gewerbesteuer

 

1818 
Der französische Chemiker Thénard stellt Wasserstoffperoxyd her, das als Haarbleichmittel verwendet wird

1827/28 
Der Pariser Coiffeur Nardin erfindet ein Verfahren Haare dauerhaft zu kräuseln

1821 
In Berlin arbeiten 119 Barbiere


1845 
Gewerbegesetz unter Berücksichtigung der Gewerbefreiheit in Preußen; Einführung des Befähigungsnachweises für die Ausbildung von Lehrlingen

 

1848 

Vergebliche Versuche des Handwerkerparlaments in Frankfurt a. M., die Gewerbefreiheit rückgängig zu machen

 

1860-1868 
Gewerbefreiheit in fast allen deutschen Ländern

1867
Die erste funktionsfähige Blondierung wird auf der Pariser Weltausstellung offiziell vorgestellt.

 

1869 
Erlass der Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes, die auch in Süddeutschland eingeführt wird

1871
Josef Göckeler gründet Barbier- & Perückenmacherfirma   siehe Chronik bis heute

1872
Gründung des Bundes Deutscher Friseure

1870
Wilhelm
Metz eröffnet seinen Salon in Hadamar - siehe Chronik bis heute

1880
Erfindung der Bartbinde durch den Wiener Friseur Rolko - im selben Jahr wird die Hand-Haarschneidemaschine erfunden

Am 1. Juli 1880 eröffnet Wella Gründungsvater, dem Friseur Franz Ströher seine erste Haarteil-Fabrik in Auerbach (Sachsen)....mehr

1881
Bismarcksche Innungsnovelle; die Innungen erhalten größere Rechte

1884
Der deutsche Chemiker Fischer erfindet ein Verfahren zum Kräuseln der Haare

 

1870-1890

Der französische Coiffeur Marcel Grateau entwickelt 1872 in Paris sein berühmtes Ondulationsverfahren ...mehr

 

1883 
Erstes Oxydations-Haarfärbemittel im Handel (französisches Patent)

 

1888
Änderung der Gewerbeordnung im Deutschen Reich: Einführung von Zwangsinnungen, Gesellen- und Meisterprüfungen, Beschränkungen in der Lehrlingshaltung, Gründung von Handwerkskammern

1889
Gründung des Verbandes der Barbier-, Friseur- und Perückenmachergehilfen

 

1890
Der deutsche Friseurmeister Josef Wilhelm Rausch (1867-1935), gründete 1890 das Unternehmen RAUSCH und brachte das weltweit erste Flüssigshampoo „Champooing“ auf den Markt....mehr

 

Ab 1900

1900 gelingt Wella Gründungsvater, dem Friseur Franz Ströher eine revolutionäre Erfindung, das Tüllemoid...mehr

Er war er zwei Kilogramm schwer und blies 90 Grad heiße Luft aus einer Art Düsenrohr: Das war der erste Fön, im Jahr 1900 bei AEG erfunden. Dank unermüdlichen Forschergeists wog der Fön 1910 nur noch 1,8 kg und leistete schon 300 Watt. Heutiger Standard ist etwa: 300 Gramm schwer bei 1200 Watt Leistung. Der Duden erklärte 1934 den "Föhn" zum Wind und den "Fön" zum Gerät. AEG ließ sich das Wort "Fön" 1909 schützen und darf bis heute als einzige Firma mit diesem Wort werben.

Im 19. Jahrhundert bildete sich der eigentliche Berufsstand des Friseurs, damals noch ohne eigene Salons, sondern der Friseur kam ins Haus des Kunden

Von April 1900 an wurden insgesamt 71 Handwerkskammern gegründet.

 

1901 

Der Amerikaner Gillette lässt den Sicherheitsapparat mit Klinge patentieren

 

1906-1910 

Erfindung der Dauerwelle. Karl Neßler entwickelt 1906 das Dauerwellverfahren für lebendes Haar und konstruiert den ersten elektrischen Dauerwellapparat...mehr

1907
August Steffen (Neumünster) eröffnet seinen 1. Salon > siehe Chronik bis heute


1916 

Erste Modeschauen in Berlin, auf denen auch Frisuren vorgestellt werden (mehr über die Geschichte der Frisuren & Haare)

 

1920 
Der erste elektrische Rasierapparat wird in Deutschland hergestellt...mehr
Etwa zur gleichen Zeit setzt sich die Kurzhaarmode für Frauen durch und erfindet der Franzose René Rambaud das Legen von Wasserwellen

1924 
Friseur Meyer aus Karlsbad stellt die ersten Flachwickler her

1926 

Der Berliner Friseur Müller lässt die Trockenhaube "Windsbraut" patentieren, die den Friseuren die Arbeit erleichtern soll

 

1925 

Gründung der Internationalen Gesellschaft der Damencoiffeure

 

1928  
Erfindung der Effilierschere; für das Ausdünnen von Haaren bestimmt
Der damals jüngste Friseurmeister Deutschlands – Wilhelm Klinck eröffnet in Kiel den ersten Salon namens „Klinck - Frisiersalon für Damen und Herren“ (Links: Klinck-Historie | Klinck heute )
1929 
Herausgabe der Handwerksnovelle, Einführung der Handwerksrolle bei den Handwerkskammern

 

1940

Friseure zogen mit einem schwarzen Beutel voller Rasierzeug durchs Land - dem "Putzbüdel". Seitdem werden sie selbst auch so genannt. (siehe auch NDR-Media)

1942

Siehe Artikel "Hitler´s Friseur"

1970

Der Engländer Vidal Sasson entwickelt eine revolutionäre Haarschneidetechnik, den Systemformhaarschnitt. Diese Technik ist bis heute Grundlage der handwerklichen und künstlerischen Arbeit der Friseure.

 

1997
HairWeb geht als erstes Haarportal im Internet online

2008
Erste Internet-Community für Friseure geht online : mix-ecke.de

 



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Literatur zum Thema

Von der Kunst Locken auf Glatzen zu drehen
Der Schönheit verbunden - Friseure & Barbiere
Stilkunde Frisuren